Wo sich Menschen begegnen, droht die Übertragung des Coronavirus. Die deshalb geltenden Einschränkungen im öffentlichen Leben haben enorme Auswirkungen. Mehrere Branchen stehen wirtschaftlich vor dem Abgrund, weshalb neue Lösungen gefragt sind. Spezielle Apps sollen es richten.

Fortlaufende Lockdowns können keine Lösung sein. Andererseits wird das Virus nicht von selbst verschwinden. Einer der somit interessantesten Lösungsansätze bleibt die Kontaktverfolgung. Damit sind potenziell erkrankte Personen leichter zu identifizieren, um ggf. notwendige Sicherheitsmaßnahmen zu treffen.

Woran die Kontaktverfolgung bislang gescheitert ist

Ansätze zur Kontaktverfolgung wurden bereits während des ersten Lockdowns entwickelt. Die Praxis zeigt allerdings, dass immer noch enorme Schwächen bestehen. Einer der Hauptgründe hierfür ist die typische Zettelwirtschaft. Ob im Museum oder dem Restaurant, Besucher tragen sich händisch in Listen ein, die Bedarfsfall manuell ausgewertet werden.

Solch eine Auswertung ist fehleranfällig und ineffizient. Darüber hinaus ist fraglich, ob wichtige Zusammenhänge sicher erkannt werden, wie z.B. die Bildung von Infektions-Clustern. Einige Experten bezweifeln, dass die manuelle Auswertung überhaupt funktioniert.

Hinzu kommen die Schwächen im Datenschutz. Bei öffentlich ausliegenden Listen sind personenbezogene Daten für jedermann einsehbar. Oft reihen sich die Datenschutzverstöße nur so aneinander.

Ein weiterer Aspekt ist die Ehrlichkeit der Gäste. Deren Identitäten werden nur selten vor Ort überprüft, stattdessen wird darauf vertraut, dass sie wahrheitsgemäße Angaben machen. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Auf vielen solcher Listen sind Phantasienamen und erfundene Adressen zu finden.

Apps sollen es richten

Digitale Lösungsansätze sind nicht neu, mit der Entwicklung der ersten Corona-Apps wurden schon vor über einem Jahr begonnen. Die offizielle Corona-Warn-App ist längst verfügbar, wobei deren theoretischer Nutzen längst nicht ausgeschöpft wird. Dies liegt nicht zuletzt am Vertrauen vieler Bürger in die App.

Gästeerfassung mit luca

Angesichts dieser Situation ist schwer absehbar, ob Corona Warn-Apps je einen nennenswerten Beitrag leisten werden. Andererseits gibt es eine App, um die in den vergangenen Tagen ein regelrechter Hype entstanden ist, nämlich luca.

Laut dem Entwickler neXenio ist die App nicht als Angriff auf die offizielle App zu verstehen, sondern vielmehr als Ergänzung. Sie dient nicht der generellen Kontaktverfolgung, sondern der Gästeerfassung.

Die Überwachung findet nicht dauerhaft statt, vielmehr meldet sich der Nutzer zu einzelnen Events als Gast an. Angenommen er möchte ein Restaurant besuchen, so scant er beim Betreten einen QR-Code. Mit dieser Maßnahme wird er angemeldet und der Location zugeordnet. Das Verlassen wird mittels Geo-Fencing automatisch registriert und somit der zugehörige Zeitpunkt ermittelt. Sollte sich später herausstellen, dass möglicherweise der Kotakt mit einer infizierten Person zustande kam, wird dies automatisch erkannt.

Interessant an der Luca-App ist die Koppelung an Events bzw. QR-Codes mit regionalem Bezug. Nutzer können solche „Events“ auch selbst erstellen, z.B. bei Treffen im Freundeskreis. Damit ist die App sehr vielseitig und räumt dem Nutzer große Freiheiten ein, weil er jederzeit selbst entscheiden kann, ob er sich anmeldet.

Das derzeit so große Interesse an der App ist auf ergänzende Eigenschaften zurückzuführen. Dies sind:

  1. Die vielseitige Nutzbarkeit
    Unternehmen, wie Restaurants oder Eventveranstalter, werden enorm entlastet. Sofern alle Kunden mitmachen, ist die Zeit der Zettelwirtschaft beendet.
  2. Zuverlässige Auswertung
    Wird eine Infektion gemeldet, lassen sich potenziell Infizierte rasch ermitteln. Die Informationen fließen an die Gesundheitsämter (von denen die meisten aber erst noch an die App angebunden werden müssen) und auch die Betroffenen werden direkt informiert.
  3. Guter Datenschutz
    Ein hohes Datenschutzniveau wird durch Trennung der Daten erreicht. Keine vollständigen Datensätze über den Nutzer werden an zentraler Stelle gespeichert. Stattdessen werden Datenfragmente an verschiedenen Orten und zugleich auf ausschließlich zertifizierten Servern abgelegt. Ein Teil direkt beim Nutzer selbst, ein anderer Teil bei den Veranstaltern sowie ein Teil beim Betreiber der App. Erst wenn die Daten zum Zwecke einer Meldung benötigt werden, findet eine Aggregation durch das System statt.

Der gute Datenschutz ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass Datenschützer früh an Bord geholt und deren Einwände und Hinweise berücksichtigt wurden. Als Folge wurde eine App zur Gästeerfassung geschaffen, die aus datenschutzrechtlicher Sicht eine Vorbildfunktion einnehmen kann.

Nun bleibt nur noch abzuwarten, wie sich deren Verbreitung in den kommenden Wochen entwickelt. Eine hohe Verbreitung ist nämlich Voraussetzung, damit ihr Einsatz flächendeckend möglich ist und die sonst notwendige Zettelwirtschaft auf ein Minimum reduziert oder gar abgelöst werden kann.